Wer vor drei oder vier Jahren einen Ratenkredit abgeschlossen hat, zahlt möglicherweise noch immer einen Zinssatz, der heute niemanden mehr freut. Zwischen 2022 und 2024 zogen die Zinsen deutlich an, doch seit Mitte 2024 sind die Leitzinsen der EZB wieder gesunken. Das schlägt sich auf die Kreditkonditionen nieder. Für viele Kreditnehmer bedeutet das: Ein Vergleich lohnt sich jetzt.
Was Umschuldung konkret bedeutet
Bei einer Umschuldung löst man einen bestehenden Kredit mit einem neuen, günstigeren Darlehen ab. Das klingt technisch, ist aber im Kern simpel: Man nimmt Geld zu besseren Konditionen auf und zahlt damit den alten Kredit vorzeitig zurück. Das neue Darlehen läuft dann zu niedrigeren monatlichen Raten oder einer kürzeren Laufzeit weiter.
Daneben gibt es die Variante, mehrere laufende Kredite zu einem einzigen zusammenzufassen. Wer gleichzeitig einen Autokredit, einen alten Konsumentenkredit und eine Kreditkartenabrechnung mit Teilzahlungsfunktion bedient, verliert schnell den Überblick. Eine einzige monatliche Rate ersetzt dann drei verschiedene Abbuchungen zu drei verschiedenen Zinssätzen.
Die entscheidende Rechnung
Ob sich eine Umschuldung rechnet, hängt von drei Faktoren ab: dem Zinsdifferenzial, der Vorfälligkeitsentschädigung und den Restlaufzeiten.
Zinsdifferenzial: Ein Kredit über 15.000 Euro mit 8,9 Prozent effektivem Jahreszins kostet bei 60 Monaten Restlaufzeit rund 3.600 Euro Zinsen. Bei 5,5 Prozent wären es etwa 2.180 Euro. Die Differenz beträgt knapp 1.420 Euro, also fast 24 Euro pro Monat weniger Zinsbelastung.
Vorfälligkeitsentschädigung: Wer einen Ratenkredit vor Ende der Laufzeit kündigt, darf vom bisherigen Kreditgeber eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangt werden. Per Gesetz ist diese auf 1 Prozent der vorzeitig zurückgezahlten Restschuld gedeckelt, bei weniger als zwölf verbleibenden Monaten auf 0,5 Prozent. Bei 10.000 Euro Restschuld sind das maximal 100 Euro. Das fällt gegenüber einer Zinsersparnis von 1.400 Euro kaum ins Gewicht.
Restlaufzeit: Je kürzer der verbleibende Zeitraum, desto geringer die absolute Zinsersparnis. Ein Kredit mit noch sechs Monaten Laufzeit umzuschulden rechnet sich fast nie. Bei zwei Jahren oder mehr sieht das anders aus.
Typische Szenarien aus der Praxis
Szenario 1: Markus hat 2022 einen Kredit über 20.000 Euro zu 9,5 Prozent abgeschlossen, Laufzeit sieben Jahre. Restschuld nach zwei Jahren: rund 15.800 Euro, noch 60 Monate offen. Aktuell sind bonitätsstarke Kreditnehmer bei 5 bis 6 Prozent bedient. Er umschuldet zu 5,8 Prozent. Gesamtersparnis nach Vorfälligkeitsentschädigung: über 1.800 Euro.
Szenario 2: Sandra hat drei kleine Kredite: 3.000 Euro zu 11 Prozent (Konsumentenkredit), 4.500 Euro zu 14,9 Prozent (Kreditkarte Teilzahlung), 6.000 Euro zu 7,5 Prozent (Autokredit). Monatliche Belastung gesamt: rund 390 Euro, Zinssatz im Schnitt über 11 Prozent. Ein Zusammenschlusskredit über 13.500 Euro zu 6,5 Prozent senkt die Rate auf etwa 260 Euro. Das sind 130 Euro weniger pro Monat.
Wann Umschuldung nicht sinnvoll ist
Nicht jede Situation eignet sich. Wer eine schlechte Bonität hat, bekommt keinen niedrigeren Zinssatz als den, den er bereits zahlt. Die SCHUFA-Einträge aus dem alten Kredit bleiben bestehen, ein neuer Antrag kommt hinzu. Wer also ohnehin schon grenzwertige Kreditwürdigkeit hat, riskiert eine weitere Verschlechterung ohne nennenswerten Vorteil.
Außerdem sollte man keine Umschuldung nutzen, um den Kreditrahmen stillschweigend zu erhöhen. Das passiert häufig: Der neue Kredit deckt nicht nur die Restschuld ab, sondern enthält einen zusätzlichen Betrag „für Sonstiges“. Damit steigt die Gesamtbelastung, nicht die Ersparnis.
Und: Bei Krediten mit fester Sollzinsbindung über einen sehr langen Zeitraum können die Konditionen im Kleingedruckten eine frühere Ablösung komplizierter machen als erwartet. Vor der Umschuldung lohnt es sich, den bestehenden Kreditvertrag genau zu lesen.
So geht man praktisch vor
Zunächst den aktuellen Kreditvertrag heraussuchen und die Restschuld prüfen, am besten durch eine Anfrage beim bisherigen Kreditgeber. Die Bank ist verpflichtet, diese Information auf Anfrage zeitnah zu liefern.
Dann aktuelle Konditionen einholen. Wer mehrere Angebote vergleicht, tut das am besten über einen Ratenkredit-Vergleich, bei dem Konditionsanfragen als sogenannte Konditionsanfragen und nicht als harte SCHUFA-Anfragen geführt werden, damit die Bonität nicht unnötig belastet wird.
- Restschuld und genaue Restlaufzeit beim bisherigen Kreditgeber erfragen
- Vorfälligkeitsentschädigung berechnen lassen
- Mehrere Angebote einholen, nur Konditionsanfragen (keine Kreditanfragen) stellen
- Effektiven Jahreszins vergleichen, nicht den Nominalzins
- Gesamtkosten des neuen Kredits gegen Gesamtkosten des alten Kredits stellen
- Kündigung des alten Kredits erst nach Zusage des neuen bestätigen
Auf den Gesamtaufwand achten, nicht nur auf die Rate
Ein häufiger Denkfehler: Wer die Laufzeit deutlich verlängert, zahlt eine niedrigere Rate, aber insgesamt mehr Zinsen. Ein Kredit über 10.000 Euro zu 6 Prozent auf 84 Monate kostet rund 2.200 Euro Zinsen gesamt. Der gleiche Betrag bei 48 Monaten kostet etwa 1.240 Euro. Wer die niedrigere monatliche Rate wählt, zahlt fast tausend Euro mehr für denselben Kredit.
Sinnvoller ist daher, bei einer Umschuldung die Laufzeit möglichst beizubehalten oder sogar zu verkürzen. Die monatliche Rate bleibt dann ähnlich oder sinkt moderat, aber der Zinsvorteil schlägt voll durch.
Eine Umschuldung ist kein Allheilmittel. Wer sie aber mit konkreten Zahlen und einem klaren Ziel angeht, kann damit in vielen Fällen mehrere Hundert bis über tausend Euro sparen. Der Aufwand hält sich in Grenzen: Mit den richtigen Unterlagen und einem strukturierten Vergleich ist die Sache in wenigen Stunden erledigt.
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