Wer ein Unternehmen führt, denkt täglich über Margen, Mitarbeiter und Märkte nach. Die eigene Absicherung rutscht dabei oft ans Ende der Liste. Das ist ein strukturelles Problem: Während Angestellte automatisch in die gesetzliche Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung eingezahlt bekommen, stehen Selbstständige und Unternehmer vor einer leeren Seite. Jeder Baustein muss bewusst gewählt und finanziert werden.
Warum Unternehmer eine andere Risikostruktur haben
Ein Angestellter, der sechs Wochen krank ist, erhält Lohnfortzahlung und danach Krankengeld. Ein Unternehmer, der sechs Wochen ausfällt, verliert Umsatz, während laufende Kosten weiterlaufen: Miete, Leasingraten, Mitarbeitergehälter. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzt, dass psychische Erkrankungen inzwischen rund 16 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage ausmachen. Führungskräfte und Selbstständige sind davon überproportional betroffen, weil Puffer und Erholungszeiten fehlen.
Das Risiko ist also doppelt: persönlicher Gesundheitsschaden und betrieblicher Schaden gleichzeitig. Wer das ignoriert, gefährdet nicht nur sich, sondern auch Beschäftigte und Kunden.
Krankenversicherung: GKV oder PKV?
Selbstständige sind nicht automatisch in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Sie können zwischen freiwilliger GKV-Mitgliedschaft und privater Krankenversicherung wählen. Der Beitrag in der GKV richtet sich nach dem Einkommen, liegt aber für Selbstständige ohne Arbeitgeberzuschuss bei bis zu 20 Prozent des Einkommens, begrenzt auf den Höchstbeitrag von derzeit rund 950 Euro monatlich (2024).
Die PKV bietet je nach Tarif niedrigere Beiträge bei jungem Eintrittsalter und häufig bessere Leistungen, etwa kürzere Wartezeiten auf Facharzttermine, Chefarztbehandlung oder umfassendere Zahnleistungen. Wer als 35-Jähriger in einen guten PKV-Tarif wechselt, zahlt oft 400 bis 600 Euro monatlich und erhält dafür mehr Leistung als in vergleichbaren GKV-Tarifen. Allerdings steigen die Beiträge im Alter, und bei Vorerkrankungen kann der Eintritt verweigert oder mit Risikozuschlägen versehen werden.
Bevor man sich entscheidet, lohnt ein konkreter Tarifvergleich: Wer die PKV-Kosten vergleichen möchte, findet dort einen strukturierten Überblick über Leistungsunterschiede und Beitragsspannen verschiedener Anbieter.
Wichtig ist auch das Krankentagegeld: Dieses muss in der PKV separat vereinbart werden. Es springt nach einer vereinbarten Karenztage-Zahl ein und ersetzt das fehlende Einkommen. Für Unternehmer empfiehlt sich eine Karenzzeit von 14 bis 42 Tagen, je nach vorhandenen Liquiditätsreserven.
Berufsunfähigkeit: Der teuerste Irrtum
Rund jeder vierte Erwerbstätige wird vor Erreichen des Rentenalters berufsunfähig. Für Selbstständige gibt es dabei keine staatliche Absicherung von Bedeutung: Wer weniger als fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, erhält gar keine Erwerbsminderungsrente. Selbst wer diesen Anspruch hat, erhält im Schnitt weniger als 900 Euro monatlich.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist deshalb für Unternehmer keine Option, sondern Pflicht. Die Rentenhöhe sollte mindestens 60 bis 70 Prozent des Nettoeinkommens abdecken. Bei einem Unternehmer mit 6.000 Euro monatlichem Nettoeinkommen bedeutet das eine BU-Rente von mindestens 3.600 Euro. Der Beitrag für einen 35-Jährigen in einem Büroberuf ohne Vorerkrankungen liegt dafür typischerweise zwischen 80 und 150 Euro monatlich.
Wer handwerklich tätig ist oder körperlich anspruchsvolle Arbeit leistet, zahlt deutlich mehr. Hier lohnt sich der Abschluss möglichst früh, solange Gesundheitsfragen keine Probleme bereiten.
Altersvorsorge ohne Betriebsrente
Angestellte profitieren von der betrieblichen Altersvorsorge und dem Arbeitgeberzuschuss zur Rentenversicherung. Unternehmer bauen dagegen meist auf drei Säulen: freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung, private Rentenversicherung oder ETF-Depot sowie, soweit vorhanden, den Wert des Unternehmens selbst.
Der Unternehmensverkauf als Altersvorsorge ist ein verbreitetes Konzept, aber ein riskantes. Bewertungen schwanken, Käufer springen ab, Märkte verändern sich. Wer ausschließlich auf den Exit setzt, geht ein erhebliches Klumpenrisiko ein.
Steuerlich attraktiv ist die Rürup-Rente (Basisrente): Beiträge sind 2024 bis zu 27.566 Euro pro Jahr absetzbar (Alleinstehende). Das macht sie besonders für Selbstständige mit hohem Einkommen interessant. Nachteil: Das Kapital ist nicht vererbbar und nicht beleihbar.
Liquiditätsreserve und betriebliche Absicherung
Gesunde Führung bedeutet auch, den Betrieb so aufzustellen, dass ein persönlicher Ausfall nicht sofort zur Krise wird. Konkret heißt das:
- Liquiditätsreserve: Mindestens drei, besser sechs Monatsumsätze auf einem separaten Konto halten.
- Prozessdokumentation: Abläufe so dokumentieren, dass Vertretungen oder Mitarbeiter kurzfristig einspringen können.
- Vollmachten und Vertretungsregelungen: Wer bei Krankheit oder Unfall keine Entscheidungen treffen kann, braucht jemanden mit rechtlicher Handlungsvollmacht.
- Betriebsunterbrechungsversicherung: Diese übernimmt laufende Fixkosten, wenn der Betrieb durch Krankheit oder Unfall stillsteht. Besonders relevant für Betriebe mit hohen Fixkosten wie Produktionshallen oder Ladengeschäften.
Vorsorge strukturiert angehen
Die häufigste Falle: Unternehmer unterschreiben Versicherungsverträge auf Berateranraten, ohne den Gesamtüberblick zu haben. Das Ergebnis sind Lücken und Überschneidungen gleichzeitig. Sinnvoller ist ein jährlicher Vorsorge-Check, am besten mit einem unabhängigen Honorarberater, der keine Provision aus Vertragsabschlüssen bezieht.
Eine einfache Checkliste für diesen Check könnte so aussehen:
| Bereich | Mindestabsicherung | Überprüfungsintervall |
|---|---|---|
| Krankenversicherung | Vollschutz plus Krankentagegeld | Jährlich |
| Berufsunfähigkeit | 60 bis 70 Prozent des Nettoeinkommens | Bei Einkommensveränderung |
| Altersvorsorge | Mindestens 10 Prozent des Bruttoeinkommens | Jährlich |
| Liquiditätsreserve | 3 bis 6 Monatsumsätze | Quartalsweise |
| Betriebliche Vollmacht | Notariell beglaubigte Handlungsvollmacht | Bei Veränderungen im Betrieb |
Wer diese fünf Bereiche strukturiert abdeckt, hat keine Garantie gegen alle Risiken. Aber er hat die wesentlichen Stellschrauben im Griff und kann seinen Betrieb auch dann führen, wenn das Leben andere Pläne macht.
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